Embodiment bei chronischen Schmerzen: Den Körper wieder als Ressource erleben

Embodiment und chronische Schmerzen: Wie Körpererleben, Bewegung und Selbstwirksamkeit zusammenspielen – mit einem Bezug zum Zürcher Ressourcen Modell.

Wer über längere Zeit Schmerzen hat, erlebt den eigenen Körper manchmal vor allem als Problem. Das Konzept Embodiment eröffnet eine ergänzende Perspektive: Wie kann der Körper wieder als Quelle von Erfahrung und Handlungsmöglichkeiten wahrgenommen werden?

Schmerz betrifft mehr als einzelne Körperstrukturen

Chronische Schmerzen können das Vertrauen in den eigenen Körper, die Bewegung und das Selbstbild beeinflussen. In ihrem Fachartikel beschreiben Dr. Fabian Moll und Martina Egan-Moog Embodiment als einen Ansatz, der körperliche Empfindungen, Emotionen, Wahrnehmung und Verhalten nicht getrennt betrachtet. Damit erweitert sich die therapeutische Perspektive: Neben der Frage, was eine Struktur leisten kann, rückt in den Vordergrund, wie eine Person ihren Körper erlebt.

Bewegung als Erfahrung statt nur als Übung

Die Autoren diskutieren, wie körperbezogene Lernprozesse, bewusste Bewegung und sogenannte Embodied Education in die Schmerzphysiotherapie einfließen können. Dabei geht es nicht darum, Beschwerden durch eine bestimmte Haltung oder Übung unmittelbar zu beseitigen. Vielmehr können neue Bewegungserfahrungen helfen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkunden und Selbstwirksamkeit zu fördern. Der Beitrag stellt dafür konzeptionelle und praxisbezogene Überlegungen vor; er ist kein Nachweis dafür, dass Embodiment allein chronische Schmerzen zuverlässig reduziert.

Verbindung zum Zürcher Ressourcen Modell (ZRM®)

Eine thematische Brücke besteht zum Zürcher Ressourcen Modell (ZRM®), das auch in der Fort- und Weiterbildung der Gottfried Gutmann Akademie aufgegriffen wird. Dort spielen unter anderem körperlich wahrnehmbare Reaktionen – häufig als somatische Marker bezeichnet – bei der Aktivierung persönlicher Ressourcen eine Rolle. Embodiment und ZRM sind keine identischen Konzepte. Beide lenken jedoch den Blick darauf, wie körperliches Erleben Veränderungs- und Lernprozesse begleiten kann. Zu den Weiterbildungsangeboten der GGA.

Originalpublikation

Moll, F. & Egan-Moog, M. (2025). Von Körperstrukturen zum Körperbewusstsein: Wie kann Embodiment als therapeutischer Faktor die Wirksamkeit der Schmerzphysiotherapie verbessern? MSK – Muskuloskelettale Physiotherapie, 29, 210–221. Zum Originalartikel beim Verlag (DOI).

Teilen: